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DIE SENDUNG SWINGT

Die Zeiten sind vorbei, in denen man sich zum Karaoke-Singen in schummerigen China-Restaurants verabredete. Heutzutage wird im Wohnzimmer vor dem Fernseher zu den Instrumentalversionen bewährter Charthits geschmachtet, geröhrt und gegrölt. Voraussetzung für die musikalische Selbstverwirklichung ist das Computerspiel "SingStar", mit dem sich Hersteller Sony eine goldene Nase verdient.

Seit der Markteinführung 2004 habe man in der Region mit der TV-Norm PAL (Europa, Russland, Australien) sensationelle zwölf Millionen Einheiten verkauft, jubelt der Elektronikkonzern. Davon allein fünf Millionen im vergangenen Jahr. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

Nun will auch Pro Sieben mit einer Show die deutschen Karaoke-Anhänger begeistern. Bei "Singing Bee" müssen die Kandidaten nicht gut aussehen, sie müssen noch nicht einmal gut singen können – bloß textsicher sollen sie sein. Schaffen sie es, sich bei der einstündigen Sendung bis zum Schluss zu behaupten, können sie mit einem Hauptgewinn von 50 000 Euro nach Hause gehen.

Eine Casting-Show ist das Format erfreulicherweise nicht. Hier geht es nicht um erzwungene Emotionalität oder die Chance auf eine zweifelhafte Musikkarriere. Wenn Moderatorin Senna, Mitglied des Casting-Produkts Monrose, zu einem Kandidaten sagt: "Du bist weiter, du bist in der Band", dann ist das glücklicherweise bloß ein Scherz.

Bei "Singing Bee" geht es um Spaß. Die Musik kommt von einer exzellenten Studioband, die das Saalpublikum im Kölner Coloneum mühelos in Partystimmung bringt. Als auch noch eine Gruppe leicht bekleideter Tänzerinnen auf die Bühne hüpft, entfährt einem männlichen Studiogast ein anerkennendes "Leck mich am Arsch". Die Sendung swingt. Gut gelaunt fliegt ein Kandidat nach dem anderen von der Bühne.

Dann tritt Tony Maroni auf. Der Kölner Tony-Marshall-Imitator lallt einen Song mit, den nur er auf dem Kopfhörer hört. Wer als Erster aus dem Kinder-Englisch einen Hit heraushört, ist weiter. Sieht man über die manchmal reichlich dilettantische Moderatorin hinweg, kann man mit dieser preiswerten kleinen Show richtig Spaß haben.

F. Aures
TV-Spielfilm, 09.09.2008